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Das Orchester, Germany

Hanns-Peter Mederer


Der Bezug zum vokalklangnahen Naturrepertoire ist ein grundsätzliches Charakteristikum zeitgenössischer skandinavischer Musik, die vorwiegend von den Inseln des Archipels ihren Ausgang nahm. Daher verwundert es nicht, dass auch bei einer so abwechslungsreichen Kompilation in den neuesten Werken lebender dänischsprachiger Komponisten Imitationen von Vogelstimmen vorkommen, wenn sie diese wie im Falle von Bent Sørensen nicht gar zum Gegenstand haben.
Michala Petris gemeinsames Projekt mit Clemens Schuldt als jungem Ausnahmedirigenten und dem Lappländischen Kammerorchester, das gerade für ein Repertoire mit der Pause als Klang- und Bedeutungsträger besonders geeignet erscheint, ist dem Andenken an die inspirative Persönlichkeit Axel Borup-Jørgensens gewidmet. Um charismatisch auf die Beiträger dieser Aufnahme, die nicht seine direkten Schüler waren, einzuwirken, bedurfte es nicht zwingend einer akademischen Laufbahn. Der Pianist, der an der Entwicklung eines „nordischen Sounds“ arbeitete, gleichzeitig poetisch dachte, aber eine einfache, pointillistische Satzweise praktizierte, bildete sich nämlich gerade auf kompositorischem Gebiet autodidaktisch. Da es sich um eine Hommage handelt, endet das CD-Projekt einer Kadenz gleichend mit Sommasvit, einem frühen Werk Axel Borup-Jørgensens für Streicher, dessen in Musik gegossene Naturszenerien hier äußerst subtil und einfühlsam wiedergegeben werden.
Expliziter noch an Themen von nordischer Landschaft ist eine Generation später Bent Sørensen orientiert, allerdings bezieht sich sein Beitrag direkt auf den geehrten Komponisten. Whispering kennzeichnet die sanfte Art seines Sprechens, das einem Flüstern nahe kam. Die Flöte ist für ein solch ungewöhnliches Porträt das geeignete Leitinstrument. Die feinen spieltechnischen und dynamischen Nuancen, die hier verlangt werden, stellen für Michala Petri eine reizvolle Aufgabe dar, die sie mit großer Präzision und Ausdrucksstärke realisiert. Dennoch wirkt die nur zehn Minuten dauernde Komposition etwas zusammengestückt.
Bei Winter Echoes aus der Werkstatt des färöischen Cross-over-Künstlers Sunleif Rasmussen bleibt zwar die ursprüngliche Ausrichtung am polyfonen Kirchenchor und an mittelalterlichen Balladentänzen spürbar, doch tatsächlich bezieht sich das Stück für Flöte und 13 Streicher auf Borup-Jørgensens Vorliebe für Kunsthandwerk zum Thema „Winter“.
Etwas aus der Reihe fällt das Concertino des Jazzmusikers und Arrangeurs Thomas Clausen: Es ist von den Wiederholungsschemata barocker Musik und Versatzstücken aus populären Bach-Werken inspiriert, die häufigen Modulationen lassen an den Tonartenwechsel in einer Sonate um 1700 denken. Petris Versiertheit im Zusammenwirken mit dem Orchester kommt in den vier Sätzen besonders zum Tragen.
Dank der hohen Klangauflösung des DXD-Audio-Formats ergibt sich bei der Wiedergabe der Aufnahme aus dem Kulturhaus zu Rovaniemi eine hohe Präsenzwirkung. Gerade im Falle der solistischen Stimme und besonders der Flöte glaubt der Hörer selbst im Konzert zu sitzen und die Instrumentalisten unmittelbar vor und neben sich zu haben.
Hanns-Peter Mederer


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