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10/10/10 in Klassik Heute

Heinz Braun, Klassik Heute

Mozart auf der Blockflöte? Sicher werden einige Aufführungspraxis-Fundamentalisten und Skeptiker schon die Idee allein verwerflich finden. Trotz alledem – Michala Petris Konzept einer Neuaufnahme der Flötenquartette Mozarts auf der Blockflöte ist aufgegangen. Ihre Argumente sind durchaus stichhaltig. Zum einen liegt der weiche, runde Klang einer Blockflöte dem der (hölzernen) Traversflöte, für die Mozart seine Quartette ja konzipiert hatte, näher als der silbrig brillante Ton einer modernen Querflöte; zum anderen darf man wohl getrost der Fragestellung nach der Legitimität einer Realisierung der Quartette des Booklet-Autors Claus Johansen folgen, der Mozart (selbstredend hypothetisch) antworten lässt: „Wie hoch ist das Honorar“?

Mich jedenfalls überzeugt Michala Petris Einspielung. Mehr noch, durch den ungewohnten Klang der Blockflöte hört man die Quartette gleichsam wie aus einer neuen Perspektive. Die spieltechnischen Entwicklungen der letzten Jahre und instrumentenspezifischen Neuerungen der Blockflöte sind an Michala Petri nicht spurlos vorübergegangen. Im Vergleich zu früher ist Petris Spiel klanglich flexibler geworden und hat an dynamischer Bandbreite und Expressivität gewonnen. Mit den drei Streicherinnen gelingt ihr ein perfektes, organisches Zusammenspiel. Kritikpunkte seien nicht verschwiegen: An einigen Stellen scheint mir die Blockflöte intonatorisch etwas zu hoch, und das Thema des A-Dur-Quartetts (dem Petri mit einer Sopranblockflöte Frische und Brillanz verleiht) wirkt – im Gegensatz zum Rest der Aufnahme – etwas undifferenziert und plan in Bezug auf Phrasierung und Artikulation. Trotz dieser kleinen Einschränkung eine überzeugende, absolut gültige Aufnahme, die so manchen Mozart-Freund positiv überraschen wird.


Bewertungsskala: 1-10
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:10

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