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Ihr Blockflötenspiel ist von rhythmischer Präzision, fein abgestufter Artikulation,

March 31, 2007

Christoph J. Keller

Drei ganz unterschiedliche zeitgenössische Werke enthält diese vom dänischen nationalen Sinfonieorchester unter der Leitung von Lan Shui im April 2006 eingespielte CD. Das Besondere dabei: Dem Orchesterklang ist mit der Blockflöte ein Soloinstrument gegenübergestellt, das eher in der Alten Musik und der zeitgenössischen Kammermusik beheimatet ist. Die dänische Blockflötistin Michala Petri, schon seit Jahrzehnten eine international renommierte Künstlerin, übernimmt auf Movements in allen Werken den Solopart. Ihr Blockflötenspiel ist von rhythmischer Präzision, fein abgestufter Artikulation, inklusive mancher instrumentenspezifischer Schleifer, Portamenti und Spaltklänge, und geprägt von einer großen Klangvariabilität, welche durch den Einsatz der verschiedenen Instrumente (Sopranino, Sopran-, Alt- und Tenorblockflöte) noch verstärkt wird.
Das dreisätzige Northern Concerto (2005) des spanischen Komponisten Joan Albert Amargós (*1950) kann als gelungenes Beispiel gelten, die Blockflöte als Soloinstrument einem großen Orchesterklang gegenüberzustellen. Schon im folkloristisch angehauchten ersten Satz wird dies deutlich. Das synkopisch gestaltete Hauptthema der Blockflöte wird geschickt integriert in die rhythmischen Kontrapunkte des üppig instrumentierten und harmonisch dichten Orchestersatzes.
Lyrische Kantilenen, von der Solistin mit ausdrucksstarkem Ton gespielt, bestimmen den zweiten Satz, der in seiner geschickten Instrumentierung an Ravel erinnert. Zur Introduktion des dritten Satzes erklingen wuchtig einsetzende Blechbläser mit Schlagzeug, kombiniert mit brillant gespielten virtuosen Läufen der Blockflöte, die das wirkungsvolle und bewegungsintensive Klangbild bis zum ruhigen Mittelteil prägen. In diesem gibt es neben „geschleift“ gespielten Melismen der Solistin einen klangschönen Dialog zwischen Blockflöte und Harfe und eine kurze Solokadenz.
Pipes and Bells (2002) heißt das eher kammermusikalisch instrumentierte Werk des schwedischen Komponisten Daniel Börtz (*1943). Am düsteren Beginn ist die Bassklarinette im Dialog mit Seufzermotiven und Tönen mit Flatterzunge der Tenorblockflöte zu hören. Spaltklänge und Glissandi werden von einzelnen Instrumenten aufgegriffen. Mit dem Einsatz der Sopranblockflöte und ihren mixolydischen Melodielinien lichtet sich die düstere Stimmung in ein zartes C-Dur.
Ein schnelles abwärtsgehendes Viertonmotiv bildet das Tonmaterial für den bewegten dritten Abschnitt, welches bald als Ostinato die gesanglich geführte Altblockflöte begleitet. Röhrenglocken sind an allen wichtigen Übergängen zu hören, besonders beeindruckend im letzten Abschnitt, der in verhaltener Ruhe endet.
Die drei Etudes (2000) des amerikanischen Komponisten Steven Stucky (*1949) behandeln in spielerischer Art minimalistisch eingesetzte abwärts gehende Tonleitern in „Scales“, mannigfaltige Zwischentöne in „Glides“ sowie Arpeggien und Tonrepetitionen in „Arpeggios“, das Ganze durchaus nicht ohne Augenzwinkern.
Christoph J. Keller