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Pizzizato (Luxemburg) Von naivem Glaubensausdruck zu surrealistischen Liebesgedichten

May 17, 2015

Remy Franck

L'amour et la foi; Olivier Messiaen: 3 Petites liturgies de la Présence Divine, O sacrum convivium, Cinq rechants; Marianna Shirinyan, Klavier, Thomas Bloch, Ondes Martenot, Danish National Vocal Ensemble, Danish National Concert Choir & Danish National Chamber Orchestra, Marcus Creed; 1 SACD Our Recordings 6.220612; 2014 (59'03) – Rezension von Remy Franck

Die ‘Trois petites Liturgies de la Présence Divine’ komponierte Olivier Messiaen in den Kriegsjahren 1943 und 1944. Sie drücken den Glauben des Komponisten in die Gegenwärtigkeit Gottes in allen Dingen aus. Die vorliegende Neuaufnahme bringt diesen naiv-kindlichen Glauben in einem schillernden Farbenspiel und wirbelnder Bewegungsrhythmik zum Ausdruck. Das kurze Stück ‘O sacrum convivium’ bringt introspektive Ruhe, ehe die ‘Cinq Rechants’, ein A capella-Werk, das Messiaens sogenannte Tristan-Trilogie beschließt, uns in eine ganz andere Klangwelt entführen.
Drei Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen singen in Texturenvon Unisono und Hoquetus bis zu zwölfstimmiger Polyphonie, und Messiaens Augenmerk gilt hier der Rhythmik. Der Komponist erklärte, er habe Silben ausgewählt « wegen der Weichheit oder Gewalt ihres Anstoßes, wegen ihrer Fähigkeit, die musikalischen Rhythmen zu betonen. Sie erlauben eine einfache Kombination der vier Kategorien: des Phonetischen (Klangfarbe), des Dynamischen (Intensität), des Kinematischen (Betonungen) und des Quantitativen (Dauern)”. Das zeigt, welche Anforderungen hier an die Solisten gestellt werden. Marcus Creeds Leitung ist von extremer Klarheit und begegnet der Liebesthematik mit einer gewissen strengen Kühle, die manchmal an Stravinsky erinnert und das Surrealistische in Messiaens Musik in fast beängstigender Weise wiedergibt.
This SACD with vocal music by Olivier Messiaen shows different aspects of his music, from the most naïve expression of faith in Trois petites Liturgies de la Présence Divine to the surrealistic feast of love in Cinq Rechants. The vocal qualities of the Danish ensembles are enthralling.