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Klassik.com Germany "Unbekannte Blockflöte"

October 16, 2020

Dr. Jürgen Schaarwächter


Die Blockflötistin Michala Petri erweist sich als Meisterin unbekannten zeitgenössischen Repertoires.

Die Blockflötistin Michala Petri erweist sich als Meisterin unbekannten zeitgenössischen Repertoires. Dass die Musik teilweise eher eklektischen Charakters ist, soll uns nicht stören. 'Prelude, Habanera, and Perpetual Motion' (2006) des Puerto Ricaners Roberto Sierra (*1953) ist ein vielleicht nicht untypischer Beitrag zur zeitgenössischen Konzertmusik, in der westliche Orchestrierungskunst und ‚exotische‘ Klangaspekte eine Art postmodernen Klangteppich weben. In Steven Stuckys (1949–2016) tonal freiem Blockflötenkonzert 'Etudes' (2000) nutzt einerseits die technischen Möglichkeiten des Soloinstruments, lässt dieses aber auch in unterschiedlicher Weise mit dem Orchester und einzelnen Gruppen oder Instrumenten interagieren. ‚Postbarock‘ ist Anthony Newmans (*1941) viersätziges Konzert für Blockflöte, Cembalo und Streicher, das hier nur mit Streichquartett interpretiert wird. Der historisch informierte Charakter der Musik kommt so in größter Klarheit zum Tragen.

Sean Hickeys (*1970) 'A Pacifying Weapon' (2015) für Blockflöte, Blechbläser, Schlagwerk und Harfe, die umfangreichste Komposition der CD, ist musikalisch am avanciertesten, wenn auch keineswegs avangardistisch und gegen die Instrumente komponiert. Petri hat hier viel Gelegenheit, auch jenseits aller virtuosen Brillanz (derer sie auch heute noch in hohem Maße fähig ist) zu wirken, und es spricht für Hickey, der 2020 seinen 50. Geburtstag feiert, einen ehemaligen Schüler von Justin Dello Joio und Gloria Coates, dass die Musik dennoch aus einem Guss ist und rundum überzeugend wirkt. Petris Partner bei den einzelnen Werken sind in ihren Leistungen ebenso tadellos – das Danish Tivoli Copenhagen Phil unter Alexander Shelley, das Danish National Symphony Orchestra unter Lan Shui, das Nordic String Quartet mit Anthony Newman und die Royal Danish Academy of Music Concert Band unter Jean Thorel.

Dr. Jürgen Schaarwächter